Bunt trifft schwarz
Mit diesem Kurs möchte ich den Kindern (ab 6 Jahren) neue visuelle und malerisch-zeichnerische Erfahrungen ermöglichen. Hierfür arbeiten wir mit Buntstiften, Öl- und Pastellkreiden auf schwarzem Papier. Wie ich vorgehe und warum dieser Kurs für das Bewahren einer ästhetischen Haltung wichtig ist, erfahren Sie weiter unten...
Welches Material habe ich verwendet?
Schwarzes Tonpapier oder Tonkarton in den Größen DIN A5, A4 und A3,
Buntstifte, Ölkreiden und Pastellkreiden (in den unterschiedlichsten Farben),
Fixierspray (für die Bilder, bei denen mit Pastellkreide gearbeitet wurde)
Am Anfang mache ich die Kinder kurz aufmerksam auf die verschiedenen Eigenschaften der Stifte, indem ich diese auf einem schwarzen Blatt auftrage.
Dann bekommen sie folgenden Impuls:
Ihr bekommt heute verschieden große Papiere. Wenn ihr von jeder Größe eins hattet, könnt ihr danach entscheiden, mit welcher Größe ihr weitermachen möchtet. Ihr dürft nun loslegen und frei entscheiden, welche Stifte ihr benutzen möchtet. Ihr dürft zu jeder Zeit alle Stifte ausprobieren.
Am Anfang sind einige Kinder zunächst skeptisch, ob man auf dem schwarzen Papier die Farben überhaupt sehen kann. So sind dann viele erstaunt darüber, dass manche Farben auf dem dunklen Hintergrund regelrecht leuchten.
Die leuchtenden Farben auf dem schwarzen Papier regen die Kinder nicht selten dazu an, Nachthimmel, Galaxien, andere Szenerien bei Nacht oder Unterwasserwelten zu kreieren. Es wird deutlich, dass auch der Bildgrund immer eine Rolle beim Entstehen eines Bildsinns spielt. Nicht nur das Format, sondern auch die Farbgebung (hell/dunkel) und Beschaffenheit (matt/glänzend) sind wichtige Impulsgeber für solche bildnerischen Prozesse.
Ich biete den Kindern drei verschiedene Farben an, die unterschiedliche Eigenschaften und Qualitäten mit sich bringen: Buntstifte, Ölkreiden und Pastellkreiden. Buntstifte sind den Kindern meist bekannt, die Öl- und Pastellkreiden nur wenigen.
Kann man mit den Buntstiften sehr präzise zeichnen, wird dies mit den Ölkreiden schon etwas schwieriger. Die Linien und Formen sehen etwas zerfranst aus, klare Konturen sind schwieriger als mit Buntstiften zu realisieren. Trägt man sie dick auf, bekommen sie auf dem Papier eine fast schmierige Konsistenz, die es auch ermöglicht, verschiedene Farben auf dem Papier zu vermischen oder zu verblenden. So entstehen weniger präzise Bilder, als vielmehr geblockte und gröbere Kompositionen, die stellenweise mit den Pastellkreiden kombiniert werden.
Mit den Pastellkreiden kann man zwar präzise Striche zeichnen, doch sie verwischen auch sehr leicht, sobald man über die Linie streicht. Das passiert ganz oft aus Versehen und darin liegt ein unglaublich großes Potenzial. Vor allem mit den Pastellkreiden „passieren“ Dinge auf den Papieren, mit denen die Kinder häufig nicht rechnen. Linien werden verwischt, Farben miteinander vermischt. Das Verwischen und Verblenden der Farben führt oft zu besonders feinen und fließenden Übergängen– dabei entstehen teils ganz neue Farben oder die Motive wirken sehr dynamisch.
Bei der Arbeit mit den Pastellkreiden werden gezeichnete Formen schwammig, neblig, unscharf. Es entstehen Abdrücke durch die eigenen Hände oder Bündchen der Pullover. Die Kinder sind immer wieder erstaunt, wenn so etwas passiert, manchmal auch frustriert. Spannend und besonders bildungsbedeutsam sind solche Momente, in denen diese Zufälle zum sinngebenden Moment für das Bild werden, wenn diese bewusst gestaltet, wiederholt und eingebaut werden.
Die Pastellkreiden sind auch deswegen so wertvoll, weil bei deren Auftrag durch die Reibung auf das Papier große Mengen an Pigment-Haufen entstehen, die vom Blatt rieseln, wenn die Bilder hochgehoben werden. So entstehen automatisch beim Bearbeiten eines weiteren Papieres auf der Rückseite interessante visuelle Effekte, auf die ich die Kinder aufmerksam mache. Fasziniert von diesen Pigmentabdrücken arbeiten die Kinder damit häufig weiter und es entstehen fremde Galaxien oder die Abdrücke werden für andere Effekte verwendet.
Die Pastellkreiden sorgen dabei nicht nur für jede Menge Farbe auf den Papieren, sondern auch auf den Händen und teils den Gesichtern der Kinder. Dies sorgt nicht nur für haptische Erfahrungen, sondern auch für jede Menge Spaß.
Erklären diese Beobachtungen, dass die meisten Kinder – am Ende des Kurses nach ihren Lieblingsstiften gefragt – die Pastellkreiden präferieren?
Wie wird mit diesem Kurs ein Beitrag dazu geleistet, eine ästhetische Haltung zu bewahren?
Beim Herstellen ästhetischen Sinns sind die eigenen Ideen und die Impulse, die vom Material ausgehen, gleich wichtig. Das heißt, dass ich mich zugleich von meinen Ideen leiten lasse und vom Material. Eine ästhetische Haltung einzunehmen oder zu bewahren bedeutet, sich immer wieder bewegen zu lassen und nicht allzu starr an Ideen festzuhalten. Materialien oder Techniken, mit denen immer wieder zufällig etwas passiert, mit denen ursprüngliche Ideen verändert und weiterentwickelt werden, sind für diese Prozesse besonders kostbar. Denn wenn wir offen und neugierig mit Unerwartetem, Überraschendem und Zufälligem umgehen und diese Momente aufgreifen, um unsere Ideen zu verändern, bleiben wir frei in unseren Konzepten und Ideen. Und dies ist nicht nur für ästhetische Bildung zentral, sondern für Bildungsprozesse insgesamt: Nur dann sind wir in der Lage Neues zu kreieren und zu integrieren. Diese Haltung ist nicht nur wichtig für kreative und ästhetische Prozesse, sondern betrifft das gesamte Leben.
Wer sich vertiefend mit dem Thema auseinandersetzen möchte, empfehle ich mein neues Buch, das Anfang 2026 erscheint:
Ästhetische Bildung
Initiieren, gestalten, unterstützen