Pappe-la-Papp

Mit diesem Kurs möchte ich den Kindern (ab 8 Jahren) zeigen, was man mit „Papiermüll“ noch alles machen kann und dass es dafür keinen Kleber braucht. 
Wie ich vorgehe und warum dieser Kurs für das Bewahren einer ästhetischen Haltung wichtig ist und zugleich Themen rund um Nachhaltigkeit beinhaltet, erfahren Sie weiter unten... 

Welches Material habe ich verwendet?

Pappe, Wellpappe, Graupappe, Wabenpappe, geschreddertes Papier,
Papprollen in unterschiedlichen Größen, 
Kindersägen für Karton, Schraubenzieher & Handsägen 

Folgenden Impuls haben die Kinder bekommen: Ihr dürft mit den Pappen, Papieren und Rollen frei experimentieren und bauen, was ihr möchtet. Schaut doch mal, zu was euch die Materialien inspirieren. 

 

In der Auseinandersetzung mit dem Material gehen die Kinder unterschiedlich vor. Manche haben direkt eine Idee, die sie umsetzen möchten. Andere experimentieren erst mit dem Material und untersuchen zunächst die Eigenschaften und Beschaffenheit. Ohne dass dies explizit thematisiert werden muss, machen die Kinder ganz praktisch die Erfahrung, dass man mit "Papiermüll" noch jede Menge machen kann. Dabei sind die Kinder häufig von geschreddertem Papier fasziniert und fragen sich, wie dieses in so kleine, regelmäßige Streifen geschnitten werden konnte. Gespräche über "Müll" und Nachhaltigkeit entstehen so zum einen wie von selbst und begleiten die Teilnehmenden während der Gestaltungsprozesse ganz beiläufig. Zum anderen kommt es auch vor, dass wir expliziter über Nachhaltigkeit sprechen, wenn die Kinder bspw. nach Kleber fragen. Ich erkläre Ihnen dann, warum wir aus Nachhaltigkeitsgründen versuchen darauf zu verzichten. Zudem nehme ich diese Frage zum Anlass, die Kinder mithilfe von prozessorientiertem Feedback dabei zu unterstützen, Lösungen und Strategien für gestalterische Herausforderungen zu finden, ohne einen Kleber zu benötigen.

Häufig ist es so, dass das Material durch seine Elementarqualitäten, bspw. das Senkrechte einer Rolle, an eine stehende Figur erinnert und diese Assoziation dann aufgegriffen wird. Nicht selten entwickeln sich beim Gestaltungsprozess Geschichten oder Spielideen. So waren die haarigen Figuren bspw. beim Frisör und sie bekamen die Haare geschnitten.

Andere Kinder wiederum widmen sich im Prozess Konstruktionsherausforderungen: „Wie schaffe ich es, dass die Rolle nicht mehr rollt?“, „Wie kann ich die Pappen ohne Kleber an der Rolle befestigen?“

Eigene Präferenzen und ästhetischer Sinn

Wenn der Impuls und die Kursgestaltung so offen gehalten ist, werden die Kinder implizit dazu aufgefordert, interessen- und resonanzgeleitet vorzugehen. Folgende Fragen sind dabei handlungsleitend, ohne dass die Kinder dies für sich bewusst reflektieren (müssen):
Welches Material spricht mich an? Welches Material gefällt mir? Welches Material möchte ich gerne anfassen? Welches Material finde ich interessant? Welches Material kenne ich nicht?
Diese offene Kurskonzeption ermöglicht es, dass die Kinder wahrnehmen und erfahren, was sie präferieren, wofür sie sich interessieren und womit sie in Resonanz gehen. Sich dies zu bewahren spielt eine zentrale Rolle für Gestaltungsprozesse, aber auch für die eigene Lebensgestaltung insgesamt. Ästhetischer Sinn kann nur dann entstehen, wenn ich mich in irgendeiner Weise von etwas bewegen, faszinieren oder auch irritieren lasse. Denn erst dann entsteht eine Aufmerksamkeit. Und dies hat immer etwas mit den eigenen Präferenzen, Vorlieben und auch bereits gemachten Erfahrungen zu tun. Offen gehaltene Kurse stärken das „Ich“ genau darin: In Kontakt mit sich selbst zu kommen. Das, was dann entsteht, kann dabei ganz unterschiedliche Formen von Sinn hervorbringen: physikalischen Sinn, ästhetischen Sinn, erzählerischen Sinn, gestalterischen Sinn. Die hervorgebrachten Artefakte changieren dabei oftmals zwischen wiedererkennenden und (teil)asbtrakten Ausdrucksformen.
Wer sich vertiefend mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, empfehle ich mein neues Buch, das Anfang 2026 erscheint:
Ästhetische Bildung
Initiieren, gestalten, unterstützen