Kreativ werden mit dem Zufall
Hier ist der Name Programm. Bei diesem Kursangebot für Kinder (ab 8 Jahren) stelle ich ganz bewusst Materialien und Techniken zur Verfügung, die den Zufall nicht nur herausfordern, sondern garantieren. Warum der Zufall für Ästhetische Bildung eine ganz zentrale Rolle spielt, erfahren Sie weiter unten...
Welches Material habe ich verwendet?
Aquarellpapier, Tinte (in verschiedenen Farben, gefüllt in Pumpzerstäuber), Schwämme,
klein geschnittene Handtücher & Farbwalzen
Folgenden Impuls haben die Kinder bekommen:
Bitte befeuchtet mithilfe des Schwammes zuerst euer Papier. Dann könnt ihr mit den Pumpzerstäubern Farbkleckse auf das Papier aufbringen. Schaut einfach, was passiert und macht dann so weiter wie ihr möchtet. Wer mag, kann die Farbe auch mit dem Handtuch wieder ein wenig abnehmen. Mit der Farbwalze könnt ihr die Farbe auf dem Papier auch verteilen.
In diesem Fall haben die Kinder mit Schwämmen Aquarellpapier feucht gemacht und dann mit den Pumpzerstäubern Farbe auf das Papier aufgetragen. Durch den Pumpstoß und das angefeuchtete Papier sind dabei die Farbverläufe nur schwer kontrollierbar. Dies löst eine große Faszination auf die Kinder aus, die mit verschiedenen Farben, verschiedenen Nässegraden des Papieres und mit dem Abstand zwischen Pumpzerstäuber und Papier dann häufig zu experimentieren beginnen. Auf den Papieren entstehen neue Farben und Verläufe, mit denen man nicht gerechnet hat. Einigen Kindern ist es dabei wichtig, dass kein weißer Fleck des Papieres mehr übrigbleibt und sie tragen mehrere Schichten von Farbklecksen auf. Andere wiederum lassen Platz zwischen den Farbklecksen, diese bleiben dann sichtbar und vermitteln einen ganz anderen visuellen Ausdruck.
In dieser Kurseinheit haben einige Kinder das Blatt zunächst in der Mitte gefaltet und nur eine Hälfte mit Farbe versehen. Beim Zusammenklappen und -drücken der Blatthälften entstehen dann spannende Spiegelungen, die an Wesen erinnern können, zu denen die Kinder nicht selten Geschichten erfinden. Was sind das für zwei Wesen? Küssen die sich? Wo kommen die her? Irgendwie sehen die wie Außerirdische aus. Wie wohl ihr Planet heißt? Und wie sind sie hier überhaupt hingekommen?
Wenn die Kinder die mit den Pumpstößen aufgetragene Farben mit der Farbwalze verteilen und dann noch Tinte mit Goldpigmente hinzugeben, ergibt sich ein ganz anderer Bildsinn: es entstehen flächigere, schimmernde Farbwelten.
Der Zufall spielt für Ästhetische Bildung eine ganz zentrale Rolle, weil er immer überraschend, immer ungeplant kommt. Und genau darin steckt ein großes Potenzial. Sich von etwas bewegen zu lassen, faszinieren oder auch irritieren zu lassen und dadurch eigene Ideen zu verändern, lässt uns flexibel bleiben: Mit unseren Ideen, mit unseren Vorannahmen, mit unseren Konzepten. Nur so können neue Perspektiven entstehen, Weiterentwicklungsprozesse angeregt und Veränderungen angestoßen werden. Dies ist für Bildungsprozesse insgesamt kennzeichnend. Das besondere an der Ästhetischen Bildung ist, dass wir in diesen Prozessen immer unsere eigenen Resonanzen zum Thema machen, auf den Kurs bezogen: welche Farben und Farbverläufe gefallen mir? Mag ich eher sich verdichtende, überlagernde Farben? Wie kann ich das, was zufällig passiert ist, als Gestaltungsmittel etablieren? Kann ich es wiederholen und bewusst einsetzen? Wie verändert sich das Bild, wenn ich es an einigen Stellen stärker befeuchte? Wenn ich die Tinte ganz nah oder mit Distanz auf das Bild einbringe?
Allein an den Fragen wird deutlich, dass es bei Ästhetischer Bildung auch viel um ein Experimentieren, Erkunden und Erforschen geht. Kunst und Wissenschaft sind sich ähnlicher, als wir auf den ersten Blick vermuten.